Peutinger-Gymnasium Augsburg

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Geschichte

Die Anfänge

Am 1. Oktober 1864 fanden sich erstmals zehn Schüler am per „Allerhöchster Verordnung“ von König Ludwig II. selbst gegründeten „Königlichen Realgymnasium zu Augsburg“ ein. Als Räumlichkeiten diente damals noch das ehemalige Katharinenkloster, in dem heute das Holbein-Gymnasium untergebracht ist.

Das Augsburger war eines von fünf Realgymnasien, die damals gegründet wurden, heute existieren noch drei. Zweck der Realgymnasien sollte sein, neben den bereits bestehenden altsprachlichen Gymnasien eine naturwissenschaftlich-technische Ausbildung anzubieten, um den Erfordernissen dieser sich rasch fort entwickelnden Wissenschaften Rechnung zu tragen und qualifizierten Nachwuchs für Industrie und Staatsdienst heranzubilden. Zwar wurde immer noch Latein als 1. Fremdsprache von Anfang an unterrichtet, doch in deutlich geringerer Stundenzahl als an anderen Gymnasien. An die Stelle von Griechisch als 2. Fremdsprache traten Englisch und Französisch. Die Betonung lag jedoch klar auf Mathematik und Naturwissenschaften. Die Eintrittswilligen mussten zwischen 13 und 16 Jahren alt sein und einer Aufnahmeprüfung den Kenntnisstand der Lateinschule nachweisen. Nach vier Jahrgangsstufen oder „Kursen“, wie sie damals hießen, mussten die Absolventen in nicht weniger als zehn Fächern die Abiturprüfung ablegen. Mit dem so hart erarbeiteten Zeugnis durften sie allerdings nur an den allerwenigsten Universitäten studieren. Für die meisten Abiturienten ging es auf der technischen Hochschule weiter.

Im Laufe der Jahre veränderte sich das Profil des Realgymnasiums immer mehr in Richtung allgemeinbildender höherer Schule. Mathematik wurde nach und nach zurückgedrängt von Deutsch und Geschichte, 1874 wurde die Ausbildungszeit auf sechs Jahre erhöht. Das neunstufige Gymnasium, wie wir es heute – noch – kennen, gibt es seit 1902. In diese Zeit fallen auch mehrere Änderungen im Stundenplan hin zur neusprachlichen Ausbildung. Die alten Domänen Mathematik und Naturwissenschaften übernahmen ab 1907 die neu gegründeten Oberrealschulen. Erst mit der einheitlichen Schulordnung von 1914 wurde das Realgymnasium dem humanistischen endgültig gleich gestellt.

Anlaufschwierigkeiten

Auf Grund der noch weit verbreiteten Vorbehalte gegen die neuen Schulen hielt sich die Schülerzahl in den ersten Jahren nach der Gründung noch in bescheidenen Grenzen um die 50. Erst im Schuljahr 1888/89 überstieg sie das erste Mal die Hundertermarke. Trotz der wenigen Schüler waren die räumlichen Verhältnisse im Katharinenkloster doch sehr beengt und auch der Umzug ins Jesuitenkolleg 1869 brachte brachte keine echte Verbesserung. 1. Oktober 1878 erfolgte endlich der Umzug ins neu errichtete Schulgebäude am Alten Kautzengässchen. Hier gab es nun acht Klassenzimmer für sechs Klassen, eine Turnhalle, Fachräume, ein Lehrerzimmer und eine Wohnung für den Rektor und seine Familie. Die alten Raumsorgen kehren allerdings schon bald zurück, als als 1902 mit der Erhebung zur neunstufigen Vollanstalt ein unerwarteter Schülerstrom einsetzt. Bis zum Jahr 1908 wächst die Schülerzahl auf 498 an! Nachdem bereits 1903 die Turnhalle zu Klassenzimmern umfunktioniert worden war, musste man nun zusätzliche Räume für ein „Filiale“ im Lehrlingsheim St. Georg anmieten. Bis zum Anbau dauert es trotzdem noch viele Jahre bis zum Ende des ersten Weltkriegs. Erst im Jahr 1921 werden der verlängerte Nordtrakt am Alten Kautzengässchen und der ältere Teil des Ostflügels eingeweiht. Es fehlt allerdings immer noch eine Turnhalle, der Sportunterricht muss am Anna– Gymnasium gehalten werden.

Der Schulhof 1921

Der erste Weltkrieg

Vorher allerdings wird die Schule wie der ganze Rest des Landes durch den ersten Weltkrieg erschüttert. Vaterländische Parolen begleiten den Unterricht, in einer Welle patriotischer Begeisterung melden sich viele Lehrer und Oberstufenschüler freiwillig zum Dienst an der Waffe. Insgesamt werden 102 Schüler und 14 von 30 Lehrern einberufen. Ab 1917 müssen die Schüler der oberen Klassen Hilfsdienst in der Landwirtschaft leisten, um die Lebensmittelversorgung aufrecht zu erhalten, der Unterricht kommt fast zum Erliegen. Traurige Bilanz des Krieges: 22 Schüler, 3 Lehrer und 7 Mitglieder des seit 1905 bestehenden Seminars mussten ihr Leben lassen. In diese Zeit fällt auch der Schulbesuch von Bert Brecht, der - obwohl anfangs noch selbst kriegsbegeistert - 1916 wegen seines kritischen Aufsatzes über das Horazzitat „dulce et decorum est pro patria mori“ (süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben) beinahe der Schule verwiesen worden wäre.

NS-Regime und zweiter Weltkrieg

Kaum war der erste Weltkrieg überwunden und Deutschland begann sich von der nachfolgenden Inflation zu erholen, geriet die Schule, wie der Rest des Landes auch, in den Griff des Naziregimes. Vor jeder Stunde wurde jetzt der „deutsche Gruß“ gezeigt und die NSDAP unternahm alle hinlänglich bekannten Schritte, um die Köpfe der jungen Menschen zu kontrollieren. Das ging auch an dieser Schule natürlich nicht vorüber. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wiederholte sich das bereits geschilderte Drama: Noch mehr Schüler und Lehrer wurden einberufen, noch mehr starben. Wer noch übrig war, wurde wieder zu Hilfsdiensten heran gezogen, sei es an der Flak oder auf dem Feld. Dadurch wird der Unterricht praktisch fast unmöglich. Zusammen mit dem Rest des alten Augsburgs versinkt schließlich das Schulgebäude in der verheerenden Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 in Trümmern. Die unteren Klassen der Augsburger Oberschule werden in Lager im Allgäu evakuiert. Damit hat das Realgymnasium zu Augsburg praktisch aufgehört zu existieren.


Blick auf den Mitteltrakt

Neuanfang auf den Ruinen

In den chaotischen Nachkriegsjahren folgte ein Dahinvegetieren unter übelsten Bedingungen. Teilweise müssen sich über hundert Schüler einen Lehrer teilen, es sind keine Räumlichkeiten vorhanden und es fehlt an den grundlegendsten Arbeitsmaterialien. Die neuen Unterrichtsziele waren in erster Linie Umerziehung im Sinne der Besatzer und Neuorientierung nach dem Fall des Dritten Reichs. Dazu wurde zunächst die alte Schulordnung aus Weimarer Zeiten wieder eingeführt, eine so dringend benötigte echte Reform des Schulsystems brachten erst später die Sechziger und Siebziger Jahre. Mit dem Jahr 51 kam dann das neunte Schuljahr zurück, das unter Hitlers Diktatur abgeschafft worden war, um die Schüler früher zu Wehr– und Arbeitsdienst zur Verfügung zu haben. Obwohl 1950 endlich der Nordflügel wieder aufgebaut wurde, waren die Räumlichkeiten immer noch viel zu begrenzt für den mit Gründung der BRD 1949 einsetzenden Ansturm von Schülern. 1956 wurde der heutige Unterstufentrakt eingeweiht und brachte zumindest ein wenig Linderung. Doch auch die war nicht von Dauer, die Schülerzahl erreichte 1958/59 mit 1033 ihren historischen Höchststand, als nächste Schritte wurden daher 1961 die Doppelturnhalle und '63 der Erweiterungsbau am Ostflügel fertig gestellt.