Latein 2017-09-20T21:53:23+00:00

Latein

In der modernen Welt hat die rasche Verbreitung von Informationen in nahezu allen Bereichen erheblich an Bedeutung gewonnen. Um diese Vielzahl von Daten verstehen, ordnen und bewerten zu können, brauchen junge Menschen ein breites und fundiertes Orientierungswissen, das von der Kenntnis der Ursprünge und Grundzüge europäischen Denkens getragen ist.

Der Lateinunterricht fördert durch intensive Beschäftigung mit der lateinischen Sprache und Literatur die Einsicht, dass die griechisch-römische Antike ein wichtiges Fundament der europäischen Kultur ist und in vielen Bereichen bis in die Gegenwart fortwirkt. Indem das Fach eine Brücke zwischen Antike und Moderne spannt, trägt es entscheidend dazu bei, ein Bewusstsein europäischer Identität zu schaffen, und erzieht allgemein zu Weltoffenheit und einem vorurteilsfreien Umgang mit fremden Kulturkreisen.

Das Erlernen des Lateinischen vermittelt den Schülern zudem grundlegende sprachliche und damit verbunden kognitive Fähigkeiten, die ihnen in anderen Fächern sowie in Studium und Beruf zugutekommen. Vor allem in den romanischen Sprachen, die sich auf der Basis des Lateinischen entwickelt haben, können sie ihre Kenntnisse des lateinischen Wortschatzes und der Grammatik mit großem Nutzen anwenden.


Auf den Spuren der Römer – Exkursion der 6. Klassen

Vokabeln, Deklinationen, Konjugationen, Übersetzen und römische Kultur in Texten und Bildern im Lateinbuch … Seit September lernen die Sechstklässler fleißig Latein, jetzt war es an der Zeit, Überreste der römischen Antike in der Heimatstadt Augusta Vindelicum zu entdecken.

80 Fußballfelder – über diese Fläche erstreckte sich Augusta Vindelicum, das römisch-antike Augsburg (gegründet ca. um 15 v. Chr.). Immer wieder entdeckte man (und entdeckt immer noch) bei Bauarbeiten Reste aus der Römerzeit. Was sich unter Augsburg befindet, ist einmalig in Süddeutschland.

Zusammen mit der Prähistorikerin Isabella Engelien-Schmidt unternahmen wir am 24. März – trotz eisiger Kälte – einen Spaziergang durch die Römerstadt Augsburg. Wir starteten am Dom und hörten, dass um den Dom ein zweites Kastell von den Römern errichtet wurde, nachdem das ursprüngliche in Oberhausen überschwemmt worden war. Alles, was die Soldaten für ihr Leben brauchten, gab es im und um das Lager. So wuchs eine Siedlung heran, in der auch öffentliche Gebäude standen. Der zentrale Platz, das forum  mit dem Ratsgebäude (curia), der großen Versammlungshalle (basilica)  und dem Haupttempel (capitolium) befand sich im nördlichen Teil des Stephansgartens. Um die Mitte des 2. Jahrhunderts errichtete man auch eine öffentliche Badanlage, die einen ganzen Straßenblock von etwa 3500qm einnahm (Äußeres Pfaffengässchen). Wir erfuhren, wie ein Badetag eines Römers aussah. Eine weitere Therme gab es in der Gegend der heutigen Georgenstraße.

Eine sehr wichtige Straße führte von Augsburg nach Rom: die Via Claudia. Die hervorragenden Verkehrsverbindungen nach Italien, Gallien, an die untere Donau und zu den Germanen, die außerhalb des Römischen Reiches lagen, machten Augusta Vindelicum zu einer Handelsmetropole. Die Gräber lagen außerhalb des Kastells und der Stadtmauer Oft flankierten bis zu acht Meter hohe Grabmäler die Straßen. Eine Replik des acht Meter hohen Grabmals findet man auf dem Domvorplatz.

Im späten 2. Jahrhundert umgab man das römische Augsburg mit einer zwei Meter dicken und acht Meter hohen Mauer. Leider sieht man davon (fast) nichts mehr. Die Straße „Am Mauerberg“ (beim Schwalbeneck) heißt so, weil dort die Mauer verlief. Insgesamt sieht man in Augsburg wenige Überreste römischer Bauten, da im Mittelalter viel Baumaterial davon für andere Gebäude verwendet wurde. Baustoff war rar.

Vielleicht ziehen wir im Sommer nochmals los, um noch mehr zu sehen.

M. Englbrecht